Junge Magdeburger demonstrieren für den Erhalt von Kultur

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Letzte Woche kam für viele Kunstschaffende aus und in Magdeburg eine erschreckende Botschaft: Das Gelände der ehemaligen JVA in Sudenburg, auf dem dieses Jahr unter dem Namen „Abaton“ Kunst gemacht und vom Publikum geschaut wurde, muss wieder geräumt werden. Dort, wo einige Monate lang Kunst, von Graffiti über eine Wasserfall-Installation bis hin zu Künstlerwerkstätten für Musiker, ihren Platz hatte, möchten die Behörden nun Baumaterial lagern. Direkt neben dem „Abaton“-Gelände gibt es leere Flächen, auf denen das ebenfalls geschehen könnte. Um gegen den Rauswurf zu protestieren, rief das „Abaton Kollektiv“ am Montag zu einer Demonstration auf. Die Waeherischen waren vor Ort. 

Viele Demonstrierende legten Wert darauf, für und nicht gegen etwas zu demonstrieren
Viele Demonstrierende legten Wert darauf, für und nicht gegen etwas zu demonstrieren.

Am Montag, gegen 17 Uhr, versammelten sich etwa 150 Leute auf dem Alten Markt, direkt vor dem Rathaus. Neben einem bunt gestalteten Demowagen sah man zahlreiche verschiedenartig  designte Schilder, die sich für Kunst im Allgemeinen oder das „Abaton“ im Speziellen aussprachen. Ein Schild fragte, wie sich denn Magdeburg einerseits um die Kulturhauptstadt 2025 bewerben könne, wenn die Stadt andererseits kulturelle Freiräume wie das „Abaton“ dicht mache. Verschiedene Redner fragten, warum Initiativen wie das „Abaton“ nicht unterstützt würden, denn oft genug hätten sie es echt schwer, Anträge beim Ordnungsamt genehmigt zu bekommen, „und das ist echt kacke“, so einer der Redner.

Die Demonstrierenden zogen vom Allee Center vorbei in den Breiten Weg. Einige Polizeiwagen regelten den Verkehr rund um die Demo, während die Veranstalter und Veranstalterinnen die Teilnehmenden mit durch Musik von DJ Kurt Jansen und Luftballons mit guter  Laune versorgten.

"Freiheit für Kunst" forderten die Demonstrierenden, während einige Anwohner am Breiten Weg sie von ihren Balkonen aus beäugten.
„Freiheit für Kunst“ forderten die Demonstrierenden, während einige Anwohner am Breiten Weg sie von ihren Balkonen aus beäugten.

Die Demonstration umrundete einmal den Domplatz mit dem Landtagsgebäude. Nachdem einige Demonstrierende die Springbrunnenanlage des Domplatzes für eine Abkühlung genutzt hatten, ging es weiter zur Staatskanzlei in der Hegelstraße. Der Chef des Hauses, Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff, zeigte sich nicht, aber auch hier machten die „Abaton“-Befürwortenden klar, dass bunte Kunsträume wie das „Abaton“ wichtig für die alte Arbeiter- und Schwermaschinenbaustadt Magdeburg seien.

Ganz pathetisch sagte ein junger Redner etwa: „Ich habe mich einfach in dem Moment nur zu Hause gefühlt – und das nur als Gast.“ Überhaupt gebe es in Magdeburg zu wenig Freiräume für kulturell engagierte Menschen.

Auch mit Seifenblasen wurde für den Erhalt des "Abaton" demonstriert.
Auch mit Seifenblasen wurde für den Erhalt des „Abaton“ demonstriert.

Gegen 20 Uhr erreichten die etwa 150 überwiegend jungen Menschen, nachdem sie über den Hasselbachplatz und die Hallische Straße marschiert waren, dann das Ziel der Demonstration: Das „Abaton“-Gelände in der ehemaligen JVA. Es gab Musik, Tanz, Bier und Fußball, bis man etwas nach 22 Uhr wegen zu befürchtender Probleme mit dem Ordnungsamt damit aufhören und das „Abaton“ verlassen musste. „Hoffentlich nur vorerst“, sagen wohl nicht nur die, die am Montag für den Erhalt dieser  Zone kultureller Entfaltung auf die Straße gingen – sondern auch viele, die die kulturellen Angebote des „Abaton“ im Sommer 2016 genutzt haben.

Text: Martin Leckelt

Fotos: Felix Ernemann

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