“Es ist ein Riesenerfolg, dass man miteinander redet.”

Die Pariser Klimakonferenz ist seit Mitte Dezember vorbei und immer noch steht die Frage im Raum: Ist das beschlossene Abkommen nun ein historischer Erfolg oder wird hier viel Wirbel um eigentlich wenig Inhalt gemacht? Wir haben mit Gilian Gerke, Professorin im Fachbereich Wasser- und Kreislaufwirtschaft, gesprochen und sie nach ihrer Einschätzung gefragt.

Den Klimavertrag von Paris zu beurteilen ist gar nicht so einfach. Für Laien sowieso nicht, aber auch Experten in Sachen Klimaschutz und Nachhaltigkeit fällt die Einschätzung relativ schwer. Das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, ist zwar fest in dem Abkommen verankert und auch die Vorgabe, ab 2050 nur noch so viel CO2 auszustoßen, wie aufgefangen werden kann, ist klar. Aber wie genau die Umsetzung davon aussieht, das wird sich erst ab 2020 so richtig zeigen. Ab diesem Jahr soll der Vertrag gelten. Es bleibt spannend, denn das Abkommen beruht vor allem auf freiwillige Pläne zum Klimaschutz. Auch hier ist noch größtenteils unklar, welche Ziele sich jedes Land für sich selbst setzen wird.

“Diese Einigung ist historisch”

Gilian Gerke ist seit 2012 Professorin an der Hochschule Magdeburg-Stendal mit Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Ressourcenwirtschaft. Auch sie bezeichnet das AbkommGerkeen als “zahnlosen Tiger”, dem es ein bisschen an konkreten Maßnahmen fehlt. Trotzdem überwiegt für die Professorin das Positive. “Es ist ganz, ganz wichtig, dass man miteinander redet”, sagt Gerke. “Ich finde, es ist ein großer Erfolg, dass sich so viele Länder comitten und einigen. Das ist historisch und nie da gewesen.” Insgesamt 195 Staaten sowie die EU haben das Abkommen beschlossen. Vor allem die Einbeziehung von China und den USA sieht sie als wichtigen Schritt.

Konkrete Vorgaben zu finden, die dann für alle Staaten gelten, ist auch kaum möglich. Und die eine goldene Maßnahme, mit der man den Klimawandel stoppen kann, gibt es für Gilian Gerke sowieso nicht. “Da muss man auf jedes Land individuell gucken, was es leisten kann.” Länder wie China oder Indien sind mit Deutschland nicht vergleichbar. Dort herrsche ein ganz anderes Verständnis von Klimaschutz und Nachhaltigkeit als hier, so Gerke.

Dem zahnlosen Tiger Zähne geben

Für das neue Jahr ist deshalb ihr Wunsch in Bezug auf Nachhaltigkeit: Weiterreden, realistische Ziele finden, die man erreichen kann und so dem “zahnlosen Tiger zumindest ein paar Milchzähne geben.” Natürlich gibt es auch auf kleinerer Ebene weiterhin Dinge, die getan und verbessert werden können. “Das ist zum einen hier an der Hochschule und dann auch weiter im Land, dass wir gucken: Was können wir machen”, sagt Gerke und ergänzt, wo für sie ein aktuelles Problem liegt: “Der Begriff Nachhaltigkeit wird leider sehr oft gebraucht, ohne, dass er Inhalt hat.” In 2016 geht es darum, das Wort mit Inhalt zu füllen und konkret zu werden. Durch Projekte, Umweltbildung oder internationale Zusammenarbeit. Die Professorin hat bereits einige Pläne für Aktionen, die sie selbst in Angriff nehmen möchte. “Mit meinen Studenten werde ich sicherlich an einigen Projekten arbeiten, wo es dann darum geht: Was ist eigentlich Nachhaltigkeit für uns, wie kommunizieren wir das und wie setzen wir es um.”

Gilian Gerke hat natürlich noch viel mehr dazu erzählt, wie es nach Paris weitergehen kann und muss, Das ganze Interview mit ihr gibt es hier:

Teaser-Foto: Flickr von Leila Mead/IISD

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